Ostseereise 2018, ein Bericht


Ostseereise
2018, drei Monate unterwegs mit der Seven CS

 

„Aus einem Später Sollte man viel öfter ein jetzt machen, bevor es ein NIE wird“

Diesen Satz hatten wir auf einem Schild auf Rügen gelesen. Wir wollten endlich raus aus unserer Komfortzone und endlich mal aufbrechen und ausbrechen, wenn auch nur für 3 Monate.

So begannen schon 1 Jahr vorher unsere Vorbereitungen. Schonend mussten wir unserem Arbeitgeber beibringen, dass wir eine 3 monatige Auszeit brauchen. Es ging dann tatsächlich einfacher, als wir dachten.

Ende April ist der Skipper mit seiner Crew Isa und Andreas nach Sloten aufgebrochen, um die Seven CS auf ihren großen Törn vorzubereiten. Wie immer vor einem größeren Törn war noch so viel tun: der elektrische Autopilot von Raymarine musste eingebaut werden, unser Freund Peter sollte noch die Kuchenbude endgültig installieren, Der Eins O Isa programmierte die Personal Beacons und legte sie in die Schwimmwesten ein, der Co Skipper Andreas baute mit dem Skipper sämtliche Elektronik für den Autopiloten ein, Einkäufe mussten noch erledigt werden, alle waren schon sehr aufgeregt.

Am nächsten Morgen, sprich Tag 2 der Reise, wollten Andreas und Isabella die Proviantierung in Lemmer erledigen und der Skipper blieb alleine zurück, um Seeventile und andere Dinge zu checken:  Chris allein an Bord, das blieb leider nicht ohne Folgen. Der Backskistendeckel war erbarmungslos zu ihm und biss einmal herzhaft zu und spuckte seinen kleinen Finger sauber entbeint wieder aus. Chris wäre nicht Chris und blieb Herr der Lage, versuchte das Schiff nicht einzubluten, suchte den Verbandskasten, in dem natürlich alles ungeöffnet und originalverpackt war. Es gelang ihm, sich selbst einen Fingerverband anzulegen, um danach nach Hilfe zu suchen. Andreas und ich fuhren wie von Furien gejagt nach Sloten zurück und brachten ihn schnell ins Krankenhaus nach Sneek, welches wir wirklich empfehlen können, wo er super versorgt wurde. Heutzutage wird ein Fingerglied nicht mehr angenäht, es sei denn, es ist der Daumen, und wenn man dann noch Amphibien in seiner Ahnenreihe hat wie Chris, dann wächst so ein Fingerglied inklusive Fingernagel auch wieder nach.

Eine Woche verspätet kam endlich der Aufbruch, von Sloten nach Makkum ging es los, am 07.05.2018, früh am Morgen.

Am 08.05.2018 verließen wir unser Heimatrevier über den Kornwerderzand nach Vlieland. Weiter führte unsere Reise, leider ohne Wind, über die Nordsee Richtung Brunsbüttel, über den NOK nach Laboe. Herrliches, aber kaltes Wetter begleitete uns. Der Autopilot, wir nannten ihn Bob, steuerte uns souverän.

Von Laboe ging die Reise über Fehmarn und Rostock nach Sassnitz auf Rügen, wo wir unsere Wuppertaler Nachbarn trafen, die demnächst wieder nach Rügen in ihre Heimat ziehen. Bessere Reiseleiter als unsere Nachbarn kann man garnicht finden. Rügen ist so schön und vielseitig. Ein schönes Segelrevier.

Auf Rügen hat mein Bruder abgemustert und der längste Schlag unserer Reise begann: Wir brauchten 336 sm Nonstop, um von Rügen nach Klaipėda/Memel zu segeln. Nachts war es sehr, sehr kalt, der Wind war gut, unsere Motivation war sehr hoch. Chris fand sich schnell in den Seerhythmus ein, der Eins O hingegen nicht. An der Grenze zum EEZ Klaipėda wurden wir von einem „unknown ship“ der Grenze entlang beobachtet. Sie folgten uns, wie ein Pilotfisch. 

Die einzige Berührung mit Zöllnern hatten wir auf der Memel auf dem Weg zum Hafen Old Castle Harbour in Klaipėda. Mit einem Signalhorn machten sie auf sich aufmerksam und wir steuerten daraufhin zu ihrem Kai. Auf Zuruf regelten wir die Formalitäten, das war alles.

In Litauen waren wir auf Ahnensuche von Isabella.

Litauen ist ein wunderschönes Land, nicht zugebaut, sehr viel unberührte Natur, nette, freundliche Menschen und sie haben tatsächlich ein gut ausgebautes Handynetz, was für das Arbeiten an unserem Blog sehr hilfreich war.

Weiter führte unsere Reise über das Kurische Haff nach Nida.

Von Nida ging es dann der Memel entlang Richtung Ventspils. Wir hatten den Wind genau auf die Nase mit ordentlichen Winddrehern, lange Zeit waren wir uns nicht sicher, sollen wir doch zuerst nach Gotland oder doch Ventspils, die Entfernungen waren gleich.

Ventspils in Lettland ist entgegen vieler Meinungen anderer Segler eine sehr schöne Stadt mit einem schönen Industriehafen. Ventspils hat sehr moderne Stadtteile, wunderschöne Parks und Wasserspiele, feinsandige Strände, aber auch morbide Häuser und manchmal hing ein komischer Geruch über der Stadt, möglicherweise von den vor der Stadt liegenden Erdölchemiefirmen.

Von Ventspils ging es über die estnischen Inseln Saaremaa und Ruhnu Richtung Riga, eine der Perlen der Ostsee.

Riga zeichnet sich durch viele Botschaften aus. Der Andrejostahafen liegt sehr zentral, aber er ist auch nachts sehr belebt und der Hafen an sich ist doch ziemlich in die Jahre gekommen.

Medizinischer Bedarf in Riga, der Hauptstadt Lettlands, in ausreichender Menge und Qualität zu beschaffen ist ein Problem. Wir waren daher froh, dass der Unfall von Chris sich nicht in Lettland ereignet hat.

Beim Auslaufen aus dem Andrejostahafen erwartete uns mäßiger Wind, es war aber Sturm vorhergesagt. Nach den Wetterinformationen sollten wir aber das Tiefdruckgebiet hinter uns gelassen haben, stimmte aber nicht. Es kommt immer anders, als man denkt. 

Das darauffolgende heftige Wetter mit viel Wind und Böenwalze und äußerst fiesen Wellen zeigte uns aber, dass die Seven CS ein verlässliches Schiff ist. Der nachfolgende Sonnenaufgang mit Farben, die wir so noch nie gesehen hatten, entschädigte uns für die zurückliegenden beschwerlichen Stunden.

Die estnische Insel Hiiumaa lebt von Holzanbau und vom Abzocken der Touristen durch Taxifahrer.

Spaß beiseite. Sie ist eine wirklich schöne Insel mit viel unberührter Natur und ansonsten netten Leuten und einer unkomplizierten medizinischen Versorgung im Krankenhaus.

Weiter ging die Reise nach Tallinn, mit einem Zwischenstopp auf der ehemaligen See- und Landminenproduktionsinsel Naissaar. Dort fanden wir sogar Familienanschluss und verbrachten einen wunderschönen Tag mit dem estnischen Kapitän und der Crew des Ausflugsschiffs Monica.

Von Naissaar aus lag ein kurzes Seestück vor uns und zwar nach Tallinn mit dem Hafen Pirita Rear. Wir gaben diesem Hafen den Vorzug gegenüber dem stadtnahen Hafen Vana Sadam. Vana Sadam ist zwar super gelegen, aber durch die enormen Bautätigkeiten sehr laut.

Wenn in Klaipėda ein Kreuzfahrtschiff lag und in Riga zwei, so lagen in Tallinn sieben.

Entsprechend strömten die Menschen von den Schiffen in die Innenstadt.

Hier mischt sich moderne Architektur mit dem mittelalterlichen Stadtkern, was in unseren Augen gelungen war.

Nur 49,1 sm weiter wartete das wunderschöne, lebhafte sommerliche Helsinki auf uns. Hier erlebten wir die schönsten Hafentage der ganzen Reise. Die Finnen sind ein unheimlich entspanntes Volk, aufgeschlossen, oft deutsch sprechend. Ihre Saunen sind tatsächlich legendär und teils opulent eingerichtet.

Helsinki war der äußerste Punkt unserer Reise, ab da an ging es heimwärts, was wir aber so nie empfanden.

Durch die finnische Schärenwelt ging es Richtung Hanko und weiter zu den finnischen Åland Inseln, von denen wir die Inseln Vänö und Jurmo  besucht haben und den größten Sturm unseres Törns erleben mussten. Dieser Sturm verhinderte unsere Fahrt nach der Hauptstadt der Åland Inseln, der Stadt Mariehamn.

Wir verließen die Åland Inseln Richtung Fårö, Schweden. Dieses wilde und ursprüngliche Schweden hat uns sehr gut gefallen. Natur pur und Schafe ohne Ende.

Auf dem Weg nach Visby, Gotland hatten wir einen Search and Rescue Hubschrauber im AIS Alarm, also ein Hubschraubersymbol auf dem Plotter, sah witzig aus. Fårö und die große Insel Gotland haben wir ausgiebig mit dem Mietwagen erkundet und für gut befunden.

Schweres Wetter hat uns einen zusätzlichen Aufenthalt in Visby verschafft, was uns gar nicht schlecht gefiel.

Nun war die Zeit der Abreise aus Visby gekommen. Unser neues Ziel war Öland mit dem Hafen Byxelkrok. Es war highspeed segeln angesagt, im Surf die Welle runter mit 9,2 Kn SOG und im Durchschnitt 6 Knoten über knapp 47 sm. Hat Spaß gemacht.

In der Nacht wachten wir im Hafen auf, durch metallische Geräusche auf Gestein. Wir stürmten raus, da wir dachten, es wäre unser Anker, der mit jeder neuen Welle auf den Kai knallt, aber es war das schlafende Nachbarschiff. Auf einmal kamen der Reihe nach immer mehr Segler rechts und links von uns an Deck ihrer Schiffe und heftige Geschäftigkeit kam auf. Jeder verholte sein Schiff, immer mehr Wind kam auf. Am nächsten Morgen war ein Ablegen nur durch Drehen der Schiffe zwischen Mooring und Kaimauer möglich. Alle haben sich gegenseitig geholfen, das war echte, gute Seemannschaft.

Borgholm auf Öland war unser nächstes Ziel. Dort befindet sich auch die Sommerresidenz des schwedischen Königshauses. Auch hatte Kronprinzessin Victoria bald Geburtstag. Sie feiert dieses immer ganz groß mit der Bevölkerung und der Eins O Isabella war sehr enttäuscht, dass wir nicht mehr so lange auf Öland blieben, um mitzufeiern.

Die weitere Reise führte durch den Kalmarsund nach Kalmar und durch die Schären von Karlskrona. Es sollte weiter zur Insel Tjärö, einem Naturparadies gehen. Hier retteten wir eine 5 köfpige deutsche Familie mit unserem Dinghi aus Seenot.

Nun stellte sich die Frage, wohin soll die Reise weitergehen? Wir bekamen viele gute Hinweise von schwedischen Ankerliegern, die mal wieder sehr gut deutsch sprachen. So ging es Richtung zur schwedischen Insel Hanö und von Hanö weiter zur dänischen Insel Bornholm. In Allinge lagen wir am Ende eines Fünferpäckchens. Es ist ein hübscher Hafen, sowie auch der Hafen Hasle zu dem wir später segelten, aber die Städte an sich haben den Charme der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts! Wir erkundeten die große Insel per pedes und per Bus und im Bus zu Anfang der mehrstündigen Fahrt, setzte sich der Eins O Isabella auf den einzig triefend nassen Sitz voller Bier, was vorher nicht erkennbar war und hatte dann die Nase gestrichen voll.

Bornholm verließen wir am 12.07.2018 Richtung Rügen. Hier kreuzten wir unser Kielwasser. Wir steuerten auch wieder den Hafen Sassnitz an, weil hier die Versorgungsmöglichkeiten sehr gut sind.

Später ging es durch die Boddenlandschaft weiter nach Seedorf. Hier trafen wir wieder unsere lieben Nachbarn aus Wuppertal wieder, Andrea und Winnie. Der private Hafen Seedorf liegt mitten im Naturschutzgebiet und ist klein, aber nett. Am nächsten Tag ging es weiter nach Lauterbach, das ist der persönliche Favorit vom Eins O Isabella. Wir hatten einen superschönen Liegeplatz kurz nach der Hafeneinfahrt mit Blick auf die ehemalige Honecker- Insel Vilm. Wir luden Andrea und Winnie zum Segeln ein und hatten ein wunderschönes Kaffeesegeln rund Vilm.

Erneutes Anheuern von Isabellas Bruder Andreas in Stralsund. Auf dem 97,3 sm langen Weg nach Kühlungsborn haben wir uns zwischen Darßer Ort und dem Windpark fast totgekreuzt.

Ankunft in einer rabenschwarzen Nacht im völlig überfüllten Hafen von Kühlungsborn. Aufgrund der fortgeschrittenen Reise und dem Wetterfenster über der Nordsee entschieden wir uns direkt von Kühlungsborn nach Kiel Holtenau zu segeln. In Kiel Holtenau kamen wir wieder in einer tiefschwarzen Nacht an und wir wussten, dass die Seekarten von Navionics nicht 100 %ig stimmten. Es gab Sperrgebietstonnen, die falsch in der digitalen Karte eingezeichnet waren. Von Kiel Holtenau ging es dann weiter durch den NOK zum Yachthafen Cuxhaven.

Der Wind kam aus Nord- Ost, Sonntag früh Aufbruch Richtung Vlieland. Ankunft nach 168 sm im Hafen von Vlieland. Der Hafen war gesperrt, rot rot geflaggt und rot rot die Lichter, da wir aber von See gekommen waren, durften wir in den gesperrten Hafen einlaufen und der Hafenmeister wies uns den Liegeplatz zu. Am Morgen danach erlebten wir ein wunderschönes Bild. Unmengen an Segelbooten lagen auf Reede vor Vlieland, selbst der Skipper hatte sowas noch nicht gesehen. 

Weil wir Andreas noch Terschelling zeigen wollten verließen wir nach kurzem Aufenthalt Vlieland. Terschelling war noch voller als Vlieland. Wir lagen im Päckchen und der fleißige Hafenmeister füllte jede freie Fläche mit neuen Yachten auf.

Auf dem Weg zu unserem Heimathafen mussten wir natürlich noch die Schleuse Kornwerderzand passieren. Nach dem Motto „Einer geht noch, einer geht noch rein“ lagen wir auf Geheiß des Schleusenwärters nach Schleusentorschliessung quer in der Schleuse. Sowas hatte der Skipper und die Crew auch noch nicht erlebt.

Am 25.07.2018 liefen wir nach 2920,1 sm um 17.10 Uhr wieder in unserem Heimathafen Makkum ein.

 

 

Blick auf die Insel Vilm, Rügen.

 

 

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